Instagram darf ab Januar Eure Bilder verkaufen – so kann man sich sein eigenes whatever-gram bauen

rebelstagram

Update, 19.12.2012 15:30:

Aufgrund der Verwirrung rund um die Berichterstattung zu Instagram und den neuen Nutzungsbedingungen habe ich noch einen neuen, ausführlichen Post geschrieben: Instagram, das Web & ich.

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Update, 19.12.2012, 00:33:

Instagram hat auf den massiven Protest oder das Unverständnis der User, wie sie es nennen, reagiert und ein neues Posting gebloggt. Dort meldet sich CEO Kevin Systrom selbst zu Wort und verspricht, dass Instagram sehr wohl auf die Kommentare und Befürchtungen der Nutzer eingehen will und den Text der Nutzungsbedingungen erneut überarbeiten will. Vor allem will Systrom den Nutzern versichern, dass keinerlei Fotos der Nutzer verkauft würden. Auch würden Nutzer weiterhin Urheber bleiben. Wer ist eigentlich der Urheber noch gleich?

I’m writing this today to let you know we’re listening and to commit to you that we will be doing more to answer your questions, fix any mistakes, and eliminate the confusion. As we review your feedback and stories in the press, we’re going to modify specific parts of the terms to make it more clear what will happen with your photos.

Legal documents are easy to misinterpret.

Ich bleibe  dennoch skeptisch und kann nur feststellen, dass die Debatte sich vor allem an dem Wort “verkaufen” stößt. In der Tat wird Instagram keine Fotos der Nutzer verkaufen – im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist journalistisch verkürzt und trifft bei vielen anscheinend einen Nerv: Verschwörung, Hysterie, die Journalisten! Das ist ok, damit muss man leben. Auch wenn man damit ziemlich bekloppte Gräben aufmacht, aber hey, sind wir nicht alle ein bisschen Facebook?

Denn: Instagram schließt in ihrem Blogpost und ihren Nutzungsbedingungen ja nicht aus, dass sie sehr wohl Lizenzen verkaufen, Bilder abbilden zu dürfen. Ob es dabei nur im Sinne des Users passiert, wie es The Verge schreibt, kann ich mir kaum vorstellen. Vielmehr denke ich, dass die Firma sich ziemlich genau überlegt, wie sie Bilder kapitalisieren können, die Nutzer umsonst knipsen und hochladen. Das ist auch ihr gutes Recht, klar. Nur muss man sich trotzdem fragen, ob eine solche Nutzungsänderung wirklich nur ohne Opt-out-Lösung funktionieren kann. Es wäre großartig, wenn Instagram sich doch genau dazu entschließen würde!

Und: Nutzer kontinuierlich daran zu erinnern, dass sie keinen Service umsonst nutzen, sondern selbst das Produkt sind, ist schon ok.

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Artikel vom 18.12.2012, 8:30h

Das ist echt mal eine harte Nachricht. Instagram hat beschlossen, dass sie ab dem 16. Januar sämtliche öffentliche Bilder von Euch, respektive den Nutzern von Instagram, verkaufen dürfen. Und zwar ohne Eure Genehmigung einzuholen, Euch zu fragen oder auch nur Euch zu erwähnen. Das ergibt sich aus der neuen Policy. Knaller!

Die Änderungen hängen natürlich mit dem Kauf durch Facebook zusammen. Warum sollte man auch sonst eine Firma kaufen, wenn man nicht mit ihr Geld verdienen will, schon klar. Instagram könnte dadurch zu einer der größten, wenn die nicht die größte, Foto/Bildagentur der Welt werden.

Konkret bedeutet das: Knippst Du ein schönes Foto, kann wer auch immer das Foto von Instagram kaufen und für Werbung, Prospekte oder sonstwas nutzen, ohne dass Du auch nur einen Cent siehst! Tja. so funktionierts.

Wir haben bei den Blogrebellen schon vor einiger Zeit gezeigt, wie man sich seinen eigenen Whatever-gram baut. Das geht ganz easy. Aus aktuellem Anlass zeigen wir nochmal, wie das geht.

Linktipp: Wired zeigt übrigens wie man seinen Instagram löscht und alle Bilder runterlädt!

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Beitrag vom 4.6.2012: Rebelstagram bauen!

“Finger weg von Twitpic, Twitter und Lockerz beim Foto-Upload” titelte irights.info vor ein paar Monaten und schrieb weiter: “Wer Twitpic, Twitter, Lockerz und Picplz nutzt, um Fotos hochzuladen, gewährt ihnen alle sehr weitgehende Nutzungsrechte, ohne einen Anspruch auf Vergütung zu haben.”

Und auch der Typ mit dem roten Haar schrieb vor einiger Zeit: “Wer Facebook, Twitter oder andere soziale Netzwerke nutzt, ist im Netz nicht wirklich frei. All diese Dienste können von den Betreibern jederzeit verändert, verkauft, zensiert, geschlossen werden. Wer wirklich frei im Internet veröffentlichen will, braucht eine eigene Website.”

Okay, eigene Webseite haben wir schon lange, der Social-Media-Kram wird nicht mehr automatisch geladen und übermittelt somit keine Daten unaufgefordert nach Hause. Was blieb war das schlechte Gefühl, meine eigenen Schnappschüsse bei Twitter-Bilderservices wie Twitpic, Twitter, Lockers oder Instagram hochzuladen und dabei nicht zu wissen, was eigentlich mit meinen Bildern passiert. Seitenlange AGBs und Nutzungsbedingungen in englischen Anwalts-Blah durchzulesen und zu verstehen gehören nicht zu meinen Superkräften. Alternativen finden, eigene Webservices aufzusetzen und am Server rumzufummeln allerdings schon eher!

Und so machte ich mich auf die Suche nach einer alternativen Möglichkeit, meine Bilder auf meinem Webspace zu hosten und trotzdem viele der Vorzüge von genannten Twitter-Bilderservices nutzen zu können. Ge- und für gut befunden habe ich schließlich das Twitter Image Host-Plugin für WordPress, das zwar schon zwei Jahre auf dem Buckel hat, dafür aber noch astrein funktioniert, einfach zu installieren ist und die Hauptfeatures schon mit sich bringt. Am wichtigsten dabei war mir die Möglichkeit eine API nutzen zu können, die man über Apps wie zum Beispiel Tweetie oder Tweetbot ansprechen kann um eigenen Service nutzen zu können.

sticker

Nach der Installation des Plugins ist eigentlich schon alles fertig. Man muss nur noch bei Twitter eine App anlegen und die dort generierten Twitter-API-Keys auf der Plugin-Seite im WP-Backend hinterlegen. Hier bekommt man auch den Zugangspunkt zur Twitter Image Host Installation für Apps wie zum Beispiel Tweetbot.

Alles eingerichtet funktionierte der erste Test auch auf Anhieb und die Bilder erschienen im Standard-Artikel-Template. Doch damit nicht genug: Wer es noch etwas angepasster möchte erstellt eine eigene Template-Vorlage und nutzt die Plugin-eigenen PHP-Functions um das Aussehen und die allgemeine Integration zu verfeinern. Sogar ein eigener Loop ist vorhanden, der viel Spielraum für weitere Auswertungen der Twitter-Bilder bietet. Ich möchte an dieser Stelle nicht mit den technischen Details langweilen. Diese hat der Autor den Plugins schon ausreichend und verständlich dokumentiert.

Sogar eine eigene Kurz-URL ist mit ein bisschen Server-Wissen erstellbar. Hierfür habe ich unsere hauseigene rbll.de-Kurz-URL erweitert und nutze fortan pic.rbll.de für die Kommunikation via Twitter.

Kommen wir zu den Nachteilen
Natürlich ist diese Lösung kein 100 Prozentiger Ersatz für die oben bereits erwähnten, professionellen Bilderdienste. Die Vorschau in der Twittertimeline fehlt ebenso wie die Anzeige unter “neuste Bilder” im eigenen Twitter-Profil. Und natürlich bietet diese Insellösung auch kein Vernetzung mit anderen Usern, wie zum Beispiel bei Instagram.
Die Schwachstellen dieser Lösung werden aber vielleicht schon bald in angekündigter Version 2 behoben werden. Ich rechne fest damit, dass sich der Funktions- und Feature-Umfang um einiges erweitern wird.

Fazit
Unterm Strich kann ich diesen Service jedem empfehlen, der seine Bilder nicht bei einen x-beliebigem Anbieter hosten möchte und die volle Kontrolle über seine Pics behalten möchte.

Beispiel-Bild
/ Rebelstagram-Übersicht

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Kommentare
  1. Als Alternative für Instagram kann ich Flickr empfehlen. Flickr achtet das Urheberrecht der Fotografen und die neuste Version der App bietet mehr als Flickr, wie ich finde. Es können genauso gut Filter angewendet werden. Ich werde jetzt trot der geaänderten Politik bei Instagram bleiben, aber meinen Account auf “privat” stellen.

  2. nonicknames

    Jetzt mal ehrlich: die Wahrscheinlichkeit, dass von den Abermilliarden von Bildern, die da auf den Servern rumlungern, ausgerechnet meine Bilder kommerziell genutzt werden, ist doch höchst gering, oder? Da wäre ein Lottogewinn noch wahrscheinlicher, denke ich. Werde jetzt gleich mal mit nem ausgefüllten Lottoschein zur Bank gehen und um einen Kredit anfragen. ;-)

  3. Internet mal wieder im Tralala-BS-Mode. Die gleichen TOS gelten auch für Tumblr, zum Beispiel. Und: Die EFF spricht von „unspecified future commercial use“. Das angeblich unspezifizierte ist in den TOS genau angegeben: „in connection with paid or sponsored content or promotions“. Ist natürlich nicht ideal, aber: Da steht *nirgends* etwas davon, dass sie Bilder verkaufen können.

    Genau wegen solchem Chicken-Dings werden Aktivisten der Netzpolitik nicht ernst genommen. Und ich hätte fast was da drüber gebloggt, doh ;)

  4. Moin René, die User müssen konstant daran erinnert werden, dass sie Facebook und dergleichen alles mögliche schenken! Da ist so eine TOS-Änderung uff jeden Fall ein geeigneter Anlass für. Und nur weil sie nicht reinschreiben, dass sie es nicht tun, ist es ja noch lange nicht ausgeschlossen. Panzerbauer schreiben ja auch nicht: Kann besonders gut Rebellen töten (oder 1000 andere Beispiele).

  5. @MartOne: Das stimmt natürlich und bisl Aufregung ist hier ja auch okay, aber nicht der Shitstorm der da grade losgeht. Dasselbe, wie beim Anon-Video zu Acta damals. Ach, egal ;)

  6. Es kommt halt immer auf den Ton an! Das hängt dann aber auch einfach mit den Medien ab, die man konsumiert… Wenn es um Panik machen geht, dann ist man schnell bei den immer gleichen Adresen. Das sollte nicht sein, da gebe ich dir recht!

  7. das ist mein Esstisch da auf dem Photo. Ich werde euch alle verklagen. Zu allererst dieses Rebelstagram! :-)

  8. Ich find die Darstellung hier ziemlich undifferenziert – mal die ToS überhaupt angeguckt? Ich sehr die tendenziösen Meldungen der dt. Medien etwas kritischer und hab mir auch mal die original Quelle angeguckt: http://schwinaldo.de/instagram-bereichert-sich-am-volk-der-dichter-denker-und-bedenkentrager/

  9. Sorry, Martin, aber mit dem leicht hysterischen Artikel bist du ein wenig auf die Fresse gefallen. Die Meldung war frisch und musste raus – das verstehe ich. Aber allerspätestens jetzt sollte ehrlicherweise auch ein Update her. Zumindestens würde ich diesem so tun. Und ein Foto-what-ever-gram ersetzt das Netzwerken in absolut keinem Fall. ;)

  10. Moin Ronny, es freut mich, dass Du direkt hier nochmal kommentierst, nachdem das Update von Instagram auf dem Markt ist.

    Erstens: In ihrem Update reagiert die Firma auf den massiven User-Protest und erklärt sich auf einmal damit einverstanden, dass sie die Bilder der Nutzer nicht für Werbung nutzen werden. Fair enough. Damit ist aber der Artikel von heute morgen weder hyterisch, noch ist es meine Pflicht ihn sofort zu revidieren, wie Du es suggerierst. Wir sind ja hier keine Nachrichtenagentur.

    Zweitens behaupten wir in unserem Artikel auch nicht, dass wir das Netzwerken ersetzen können. Vielmehr zeigt der Artikel, dass man besser fährt, wenn man Bilder selber hostet.

    Drittens: Wusste gar nicht, dass Du so ein Instagram-Freund bist.

    Cheers, Martone

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