Kopieren und Vermarkten? Easy!
alohastone am Freitag, 13. Juli 2012, 10:15 Uhr
Warner Music wollte ihn haben, hat sich nicht lumpen lassen, und gleich Lyor Cohen vorgeschickt um die Sache wasserdicht zu machen (vgl. Interview bei MixeryRawDeluxe ca. 1:40). Blöd, wenn Leute dann trotzdem “Nö” sagen, und ihr Ding lieber alleine durchziehen.
Als Major muss man aber sehen wo man bleibt. Gerade in Zeiten in denen an jeder Bucht Piraten lauern, die einem den Champagner nicht mehr finanzieren wollen. Und wenn einem das Stück vom Kuchen trotz freundlichen Bittens verwehrt bleibt, muss man sich halt was einfallen lassen.
Und so hat man sich kurzer Hand den “Reggae”-Remix geschnappt (in dem jeder Reggaehead übrigens vergeblich den Reggae sucht), und aus den für den Erfolg vermeintlich ausschlaggebenden Zutaten (schöne Frauen mit Mützen, kleine Fahrräder, ein Skatepark, und rote Plastikbecher für den Ami-Vibe) eine billige Kopie des Originals zusammengeschustert:
Dass es aber der Vibe war der “Easy” so erfolgreich gemacht hat, haben die Jungs scheinbar nicht begriffen. Und so fehlt dem “Reggae”-Remix alles was das Original aus- (und damit so schön) gemacht hat: Die Mädchen von nebenan, die aussehen wie Models, sehen nicht aus wie Models, sondern wie Mädchen von nebenan. Dass die Spaß haben sollen steht so im Drehbuch, und das merkt man. Die hipstermäßige Überbelichtung fehlt komplett, und der “sommerliche Skatepark” sieht einfach nur aus wie Skateparks in Deutschland eben meistens aussehen: grauer Beton in einer verregneten Drecksstadt. Da hilft auch ein skatender Pedobear nichts mehr.
Die bewegende Ansprache des Chief Head of Marketing Gedrisse, die kann ich mir vorstellen:
Freunde passt auf, wir brauchen den Typ nicht. Wir kopieren sein Video einfach, ballern das auf YouTube, schummeln uns da in die Related Videos, und schicken das Ding dann an sämtliche Blogger. Die haben bestimmt längst vergessen dass wir sie damals für Mixtapes abgemahnt haben, und sind sowieso immer übelst dankbar für Content. Die kosten uns nix, und finden alles was mit Cro zu tun hat sowieso total geil, weil sie über die Deppen die Cro auf Google suchen ein paar Klicks für ihr Blog – und damit vier Cent bei Adsense abstauben können. Mit der ganzen Mundpropaganda hat das Video ruck-zuck auch 20 Millionen Views.
Und damit es sich für uns richtig lohnt, benutzen wir den Track gleich als Aufhänger für einen kompletten Sampler, auf dem der Typ der den Remix zu Cros Track gebaut hat noch mehr Remixe baut. Natürlich alles massenkompatible Drecksmusik die “funktioniert”: Tim Bendzko, Revolverheld, Marteria, Juli, Bosse, und wie der ganze andere Rotz heisst den wir eh schon in unserem Pool haben.
Der Produzent kriegt ein paar Kröten für seine Remixe, die Internetseite kann der Azubi bauen – schön hip, mit viel bunt und unserem “geilen” Maskottchen, und der Rest läuft dann wie von selbst.
Am Arsch.
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[...] und Cro. By the Way: Die Rockversion von “Easy” ist eine korrekte Antwort auf dieses seichte Reggae-Remixdingens, mit dem neulich ein Major auf den Cro-Zug aufspringen wollte. So geht das mit dem [...]
Word! Schöner Beitrag Carsten.
sehr gut!!
;) Guter Text ;)
Was ich nicht kapiere: Verkauft hat er denen dann aber trotzdem was , oder wie?
Ich wurde über einen Kommentar bei mir (http://www.testspiel.de/video-cro-easy-i-dont-like-reggae-version/39190/) auf diese Meinung (keine “Hintergründer” lieber Kommentator) neugierig gemacht.
Jo, schöner Text von Dir Carsten und kann man durchaus so sehen, aber auch irgendwie einseitig, denn hier fehlen die Infos wie und warum der Remix überhaupt beim bösen Major gelandet ist. Und wie immer wenn euch etwas nicht gefällt, wird auf die anderen Blogger oder wen auch immer eingeschlagen, die den Track oder was auch immer vielleicht ganz nett finden. Das ist meiner Meinung nach zu billig, liest sich aber gut, und sorgt wieder für ein paar Facebook Likes, Retweets und ein paar Klicks mehr.
Und zum Reggae ein paar Zeilen: “Was ist denn mit der Realness? Wer malt heute noch den Zug? Alle nur noch Wellness!”
Am Ende ist es ein Track, ein Sampler der Dir nicht gefällt und nicht mehr oder weniger. Aber immer dieses Aufblähen, Aufplustern, boahh, scheiß Blogosphäre, wie ich dich hasse dafür.
Meine 2 cents. (Hab’ ich auch mal abgekotzt. Scheiße, regnet auch durch seit Tagen und da will mir einer den Sunshine Reggae versauen. :D)
@Chris & Marc: Türlich verdient Cro daran trotzdem was: der Reggae Remix war bereits auf der Premium Edition von Raop mit drauf. Chimperator wird also Warner Music die Rechte verkauft haben, den Track auf einen Sampler raufpacken zu dürfen.
Das sei ihnen auch gegönnt, jeder muss sehen wo er bleibt. Und wenn man als Künstler steil geht darf man die Kuh auch ruhig melken so lange sie da ist. Je nachdem wie wichtig einem die eigene Kredibilität und “Realness” ist kann man sich da natürlich Grenzen setzen, die man dann als Fan wiederum gut oder schlecht finden kann. Gibt da ja unterschiedliche Ansichten. Dem Retrogott oder den Funkverteidigern würde so ein Move sicher eher einen Zacken aus der Krone brechen als Cro ;) Und da hätte auch mein Kommentar anders ausgesehen.
In dem Fall wollte ich die Geschütze aber nicht Richtung Cro, Chimperator, oder Guido Craveiro, sondern auf Warner richten. Der Link auf den TAZ-Artikel lässt vielleicht anderes vermuten, aber den wollte ich nur einbringen weil ich ihn kurz vorher gelesen, und darin viel wahres (z.B. fehlende “Deepness”) gefunden hab, über das es sich (in meiner Sicht auch für Fans, zu denen ich mich zähle) nachzudenken lohnt.
Genauso isses Geschmackssache ob einem der Reggae-Remix nun gefällt oder nicht. Darf jeder selbst entscheiden. Mir gefällt er nicht.
Eigentlicher Grund für den Aufreger war das Verhalten von Warner. So einfallslos und abgebrüht muss man erstmal sein, dass man sich nach einem “geplatzten” Deal mit dem Reggae-Remix “zufrieden” gibt, den verantwortlichen Produzenten gleich für einen ganzen Sampler einkauft, und sich mit dem Track als Aufhänger und einem wirklich total grottig und dreist kopierten Video sein Stück vom Cro-Kuchen sichern will.
“Easy” hab ich gefeiert weil der Song cool war. Das Sample, der Beat, der Link zu Bobby Hebb, der Text, dazu dieses geile Video mit dem amerikanischen Tumblr/Supreme/Model/Skate/Vibe, das war halt fett und hat gute Laune gemacht. Dieses Gehate dass alles von Oddfuture kopiert wäre hat mich nicht groß gestört, für mich war es was völlig neues dass sowas aus Deutschland kommt.
Auf die Dauer erschöpft sich so ‘ne Musik halt ziemlich schnell, deswegen auch der TAZ-Artikel. Aber das ist ein anderes Thema. Ich wollte einfach nur über die Majors herziehen. Es war einer von den Punkten an denen man merkt dass vielen im “Bizznizz” die Liebe zur Musik und die Originalität einfach scheissegal ist. Da geht’s nur um “Produkte” – am liebsten solche die sich gut verkaufen.
Die kleine Stichelei Richtung Blogosphäre war übrigens an diejenigen gerichtet die solchen Kram mit derselben Intention bloggen wie die Majors den Schrott produzieren: nämlich dess es sich lohnt – sei es für Google Rankings, Werbeeinnahmen, Kommentare oder sonstwas.
Wenn du das gebloggt hast weil’s dir gefällt ist das cool, dann haben wir einfach unterschiedliche Geschmäcker. Wenn du das gebloggt hast weil du den Anspruch hast ein objektives Musikmagazin zu betreiben, in dem du einfach über alles informierst was neu ist, ist das auch cool.
Aber wenn du das gebloggt hast weil du dachtest “oh geil was von Cro, der zieht gut”, dann darfst du dich angesprochen fühlen. Für sowas brauch’ ich keine Blogs.
Aber das muss jeder selber wissen. Ich hab letztenendes nur meine Meinung auf FB gesagt und Walter wollte das gerne für die Rebellen haben (nix lieber als das!).
Ich wollte nur Samen pflanzen. Damit vielleicht einer oder zwei mal drüber nachdenken was sie so promoten, kaufen, und wen sie damit unterstützen. Gibt viele Jungs denen ich die Kohle mehr gönnen würde als Warner.
Passt schon alles, aber ohne jetzt für Warner in Presche springen zu wollen, und inzwischen regnet es auch nicht mehr, sind das doch alles nur Vermutungen, oder ist das klar, dass sie die Compilation um den Reggae Mix von Cro herumgebaut haben? Wenn ja, dann tun sie mir fast schon ein wenig leid. Vielleicht hat ihn aber auch der Mixer, dass einfach nur gut verkauft. Soweit ich weiß kommen die aus doch alle aus dem Seeed Umfeld?!
@Marc, @alohastone.
ich denke, die Indizien sind erdrückend und der Zynismus der Majors auch nicht erst seit gestern bekannt. Natürlich ist der Sampler um “Easy” herumgebaut”. Ich teile Alohas Ansicht, daß das ein bißchen eklig ist. Allerdings echt nur ein bißchen, weil es geht hier (nur) um Musik…
Was ich hunderprtozentig teile ist Alohas Ansicht zum Reggaeremix. Der ist IMHO einfach schlecht. Warum? Weil er sich nix traut. Sie haben den Vibe, der aus dem Sample kam rausgenommen und gegen diesen billigen Fakereggae ersetzt.
Wie man es besser macht, zeigen (mal wieder) MashUp-Producer ohne dicke Kohle im Kreuz:
iMashup nämlich der etwas GANZ anderes aus dem Tune macht:
Easy Raock from iMASHUP on Vimeo.
Grad keine Zeit alles zu lesen, aber
“Und wenn man als Künstler steil geht darf man die Kuh auch ruhig melken so lange sie da ist.” -> Das klang aber im Artikel anders. Egal. Schade, dass die ihn dennoch im Sack haben, hab mich schon gefreut, irgendwie.
@marinelli: Gute Nummer, gefällt mir! Das Ding is’ wenigstens originell und da steckt Herz drin. Diese Reggaenummer dagegen plätschert so vor sich hin und traut sich gar nix. In Kombination mit dem Video wirkt das auf mich halt so als hätte man alles Herz und Originalität rausgenommen und durch massentaugliches Düdeldü ersetzt. Bloß nicht anecken.
Das “Line-Up” des Samplers liest sich halt genauso ideenlos. Und mir schwant dass Warner damit möglichst viele “Bravo Hits Käufer” im Saturn catchen will – und da kommt der Name Cro halt sehr gelegen. Deswegen meine Vermutung (!) dass es eben so war wie oben beschrieben.
Wie marinelli auch sagt, die Indizien sind ziemlich offensichtlich. Es bleibt aber alles Vermutung und Behauptung – letztenendes ist es ja ein Rant und kein journalistisch fundierter und recherchierter Beitrag ;)
@Chris: Irgendwo ist “die Kuh melken” ja immer eine Gratwanderung. Auf der einen Seite gönne ich Cro den Erfolg von Herzen. Wiegesagt, ich fand’s originell und neu und das Easy Mixtape hat auch mich gecatcht. Ich hab das Teil selber tagelang gehört und mitgesungen. Er hat ja durchaus Texte in denen man sich wiederfindet, und pickt Samples die einfach ziehen.
Insofern find ich’s total okay wenn das Album dann #1 geht, er Shirts und Fanartikel verkloppt wie blöde, und auf die Art die Kuh melkt.
Gleiches gilt für Rechte die man abtritt. Zum Beispiel dass ein Song auf einer Compilation erscheint, oder für Werbung benutzt wird. Gerade über solche Sachen holt so manches Label und so mancher Künstler sicher noch mehr rein als über pure Albumverkäufe.
Gerade bei Beatproduzenten wie Suff Daddy und Co., für die sich Verlage um den Verkauf ebendieser Rechte kümmern, kann sich das lohnen. Der freut sich ja auch wenn mal der eine oder andere Tausender auf dem Konto landet.
Das kann aber auch dazu führen dass die Mucke auf einmal in einem Adidas Spot auftaucht (in dem Fall vielleicht noch kredibil) oder bei Galileo als Hintergrundmusik verwurstet wird (beides bei Suff Daddy so passiert). Und wenn man da nicht höllisch aufpasst, wird die eigene Kunst unter Umständen für etwas missbraucht das man selber gar nicht cool findet.
Da gibt’s dann halt Künstler die einfach sagen “fuck you pay me”, und welche die hart darauf achten dass genau so was nicht passiert.
Und so könnte ich mir vorstellen (Vermutung!) dass Cro dieses Reggae-Remix-Video auch nicht so derbe findet, vorher aber nicht ahnen konnte was Warner mit diesem Remix anstellt. Oder er denkt sich halt “mir egal, Hauptsache die Kohle stimmt”.
Harris’ Werbespot für diesen Energy-Riegel (gab’s auch hier bei den Blogrebellen) war auch so ne Aktion. Anfangs hörte sich das Konzept vielleicht für ihn cool an. Aber am Ende kam ein überpeinlicher Spot dabei raus, den er vielleicht so nicht mehr machen würde.
Trotzdem, so sehr ich z.B. Harris für diese Aktion hasse, hab auch ich Tage wo ich solche Werbespots machen würde. Wenn man sich wochenlang in einem Drecksjob den Arsch aufreisst, um zum Ende des Monats “nicht mal Kleingeld für Essen” hat, dann klingt so ein Energy-Riegel-Werbespot-Angebot schonmal sehr verlockend.
Angebote ausschlagen zu können ist eben nicht nur ein Zeichen von Willenskraft und “Realness”, sondern auch ein Privileg. A brother gotta eat. Manchmal muss man nehmen was man kriegen kann, und die Kuh eben so lange melken wie sie da ist.
Wie weit er geht muss jeder selbst wissen. Was mich angeht hab ich mehr Respekt vor Leuten die bei der Gratwanderung ein bisschen härter auf der Seite der Realness bleiben, und auch mal Sachen ausschlagen. Auch wenn das bedeutet dass man dann keinen Benz leasen kann sondern Bahn fahren muss.
Deswegen übrigens auch der Kendrick Lamar Track am Ende. Der ging Richtung Cro. “pussy ass hoe niggas, bitches all up in my business”.
Der soll sein Ding ruhig durchziehen und auf die Hater scheissen. Jeder der sein Ding durchzieht und damit steil geht zieht irgendwann Leute an die neidisch sind und deswegen alles runter machen was man durchzieht.
Auf so Leute darf man aber nicht hören. Denn das sind meistens die die selber nix an den Start bringen, oder einfach mit ihrem Ding keine so großen Erfolge feiern können.
Kommt alles in dem Beitrag vielleicht nicht so rüber, war aber so gemeint. Nur wäre er mit den ganzen Relativierungen halt lange nicht so böse (und lustig?) rübergekommen. Wiegesagt, das war ein Rant Richtung Majors und Musik ohne Herz, kein Diss Richtung Cro ;)