Papierberge
Maria Eks am Donnerstag, 30. Juni 2011, 12:00 UhrTags: Bildung, Politik, Rant, Teilhabe
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Eigentlich hatte ich mit dem Thema schon so gut wie abgeschlossen, einmal tief durchgeatmet und mich irgendwie damit abgefunden. Dachte ich. Dachte ich aber falsch und wurde eines besseren belehrt als ich heut morgen nichts ahnend die Zeitung aufschlug die Tageschau app öffnete und es mir wieder ins Gesicht sprang „Leistungen für Bildung und Teilhabe“. Ich unterdrückte kurz einen Brechreiz und überflog den Bericht, danach war mir erst recht nach Kotzen zumute… Hätte ich vielleicht einfach machen und dann direkt an die Versager aus dem Regierungsverein schicken sollen aber so ein famoser Rant macht dann vielleicht doch mehr Sinn.
Fangen wir mit etwas Einfachem an: Einer Menge Papier… besser: einem riesengroßen Haufen unnötigen Papiers, wie z.B. pro gemachten Tagesausflug im Kindergarten ein DinA4 Formular oder der Infobrief, der an alle Berechtigten verschickt wurde – auch an die, die schon längst ihr Geld beantragt hatten. (Mal ehrlich liebe Regierung: Wenn ihr euer Papier wirklich loswerden wollt, fragt mal in den KiTas nach, dort herrscht eigentlich immer Bedarf an Malpapier.)
Dann sollte man noch darüber sprechen das 10 € im Monat für Freizeitaktivitäten ein ziemlich lächerlicher Betrag sind und das niemand, der sich nicht dafür interessiert, zig Anträge ausfüllen wird nur um sein Kind für ein Freizeitangebot anzumelden, was mit den 10 € noch lange nicht bezahlt ist. Nicht mal ich will das und ich habe großes Interesse daran, dass meine Tochter ihren Hobbys nachgehen kann. Wenn man es den Eltern sowieso nicht zutraut, es für den beantragten Zweck auszugeben warum investiert man das Geld nicht lieber gleich in Schulen, soziale Projekte und Freizeitangebote direkt, wo es dann tatsächlich alle Kinder erreicht, anstatt die Leute mit noch mehr Formularen zu terrorisieren. Und was kostet eigentlich mehr: die Leistungen die für die Kinder bestimmt sind oder die extra dafür neu eingerichteten Verwaltungsstellen?
Die Mehrheit weiß das ja alles schon nur die Macher dieses grandiosen Paketes rätseln weiter warum keiner ihren Scheiß beantragt und suchen die Fehler bei den Menschen anstatt bei ihrer Politik. Sollen sie nur, dann steigt vielleicht die Chance, dass der Misthaufen nicht wieder gewählt wird.
(Bild: Uwe Kaufmann1)

















Mhhh.. Verzeihe mir, aber ich kann deiner Argumentation bei aller Mühe nicht folgen.
1. Du unterstellst, dass diese 10€ die Freizeitaktivitäten eines Kindes finanzieren sollen. Fakt ist aber, es ist nur ein ZUSCHUSS für besonders Bedürftige (Hartz 4). Für Hartz 4 Bezieher sind diese 10€ durchaus von Gewicht.
2. Du unterstellst, dass diese 10€ den Eltern nicht “zugetraut” werden. Ganz recht. Die Realität ist, dass die Beitragszahler (die große Mehrheit der Familien da draussen) Hürden sehen wollen. Ganz einfach weil es ihr hart erarbeitetes Geld ist, welches da ausgegeben wird. Denen fehlt dieses Geld dann.
3. Du fragst warum diese Zuschüsse nicht direkt den Schulen und Institutionen ausbezahlt werden. Du übersiehst wohl, dass die Mehrheit der Familien KEIN Hartz 4 beziehen und sich mehr oder weniger problemlos selbst finanzieren können. Die Hilfe würde schlicht nicht bei den Bedürftigen ankommen, daher wird es nur punktuell – also wo wirklich nötig – bezuschusst.
4. Du geht davon aus, dass Hartz 4 Bezieher wohl die Mehrheit darstellen und diese besondere Gruppe politisch besonders motiviert ist. Da liegst du völlig daneben. Wer nicht fähig ist seine Kinder selbst zu finanzieren und bereits bei simplen Formularen versagt, wird auch politisch nicht ernst genommen. Warum auch, die “anderen” müssen ohnehin alles bezahlen und erarbeiten.
5. Statt über Formulare und Umverteilung zu philosophieren könnte man auch einfach Arbeiten gehen, ein vielfaches dieser 10€ seinen Kinder zugute kommen lassen und zuletzt auch noch die Zuschüsse von 2-3 Bedürftigen Familien finanzieren.
Oh ich verzeih dir und erläutere es gerne noch genauer.
1. Ich unterstelle keineswegs, dass 10€ die Aktivitäten komplett finanzieren sollen und ja, 10€ haben oder nicht haben macht einen Unterschied für die Leute die es wirklich brauchen, aber die 10€ decken einen Bruchteil von den Kosten ab, alles andere muss weiterhin selbst finanziert werden und wer ohne die 10€ sich das nicht leisten konnte, wird es auch kaum mit den 10€ tun können.
2. Das kann ich nachvollziehen aber es gibt sinnvolle Hürden und es gibt völlig übertriebenen bürokratischen Aufwand und ich denke letzteres wird hier praktiziert.
3. Wer sagt, dass es die Kinder nicht erreicht? Wenn dadurch mehr Aktivitäten für weniger Geld, bzw. (ich wage mich weit aus dem Fenster und sage:) vielleicht sogar kostenlos, angeboten werden können profitieren ALLE davon. Wäre doch auch nicht schlecht oder?
4. Ich weiß nicht warum du denkst, dass ich glaube Hartz 4 Empfänger bilden die Mehrheit und sind politisch motiviert. Sind sie natürlich oft leider nicht, aber es geht hier gar nicht nur um Hartz 4 Empfänger. Berechtigt sind nämlich auch alle die Wohngeld und Kinderzuschlag erhalten, das sind Menschen deren Gehalt vielleicht einfach nicht ausreicht, weil sie z.B. alleinerziehend sind. Schwarze Schafe gibt es immer aber man sollte nicht denken, dass alle Bedürftigen unfähig sind und in irgendeiner Form versagt haben. Das wäre sehr überheblich. Es geht mir auch darum hier mal zu verdeutlichen was Bedürftige so über sich ergehen lassen müssen. Für nur 10€ mehr im Monat, müssen sie sich bloßstellen vor anderen, weil grundsätzlich erstmal davon ausgegangen wird, dass sie, wenn sie schon nicht genug Geld zusammentragen können zum Leben, völlig verblödete Deppen sind die in ihrem Leben auch sonst nichts auf die Reihe kriegen.
5. Arbeiten gehen… hört sich schön an, sagt sich auch leicht, aber so einfach ist es dann auch wieder nicht …dazu mal einige Fragen zu einem konkreten Beispiel. Was machst du wenn du alleinerziehend bist und studierst und eigentlich keine Zeit hast auch noch arbeiten zu gehen, das Geld aber auch nicht reicht für zwei? Dein Studium abbrechen um irgendeinen schlechter bezahlten Job anzunehmen? Deine Eltern verklagen? Eine Bank ausrauben? Oder einen Rant schreiben?
1. Zehn Euro klingen natürlich nach wenig (im übrigen gibts auch nochmal 28
€ dazu für’s Essen – was schonmal 38€ sind), aber auch diese müssen an anderer Stelle erarbeitet werden. Diese Zuschüsse sind nur nette “Extras”. Die Alternative wäre “keine” Extras mit höfflichem Verweis auf Kindergeld und Eigenverantwortung.
2. Definitiv. Aber nochmal, diese Hürden dienen dazu die Finanzierer dieser Aktion nicht völlig zu verärgern. Was die Bezieher dabei Empfinden ist sekundär. Die Politik muss die “Geber” zu überzeugen, sonst gibts gar nix.
3. Nunja, *alle* heisst nur, dass für die Bedürftigen noch weniger da ist. Da mit dem verfügbaren Geld dann auch Jugend-Golf, Jugend-Tennis und Jugend-Cricket unterstüzt werden. Das ist nicht Sinn der Sache. Einen Kuchen durch 10 Personen zu teilen ist einfach etwas anderes, als denselben Kuchen durch 1000 zu teilen.
4. Dieser Punkt stützte sich auf deine Aussage: “Die Mehrheit weiß das ja alles schon nur die Macher dieses grandiosen Paketes rätseln weiter warum keiner ihren Scheiß beantragt und suchen die Fehler bei den Menschen anstatt bei ihrer Politik. Sollen sie nur, dann steigt vielleicht die Chance, dass der Misthaufen nicht wieder gewählt wird.”
Leider gibt es diese Mehrheit nicht. Wenn du die Berichterstattung zu diesem Thema genau verfolgt hättest, würdest du wissen, dass laut einer aktuellen Umfrage wohl etwa 75% der Bedürftigen überhaupt nichts von dieser Maßnahme mitbekommen haben. Das Problem sind explizit nicht die Formulare (die gar nicht so schlimm sind) sondern ein schlichtes Desinterresse der meisten “Bedürftigen” an allem was nicht direkt auf dem Konto landet.
5. Nun wenn du so fragst, vielleicht das Studium verschieben, die Pille nehmen, sich seine Freunde besser aussuchen, sich selbständig machen. Vielleicht auch in eine wirtschaftlich aktivere Gegend ziehen. Es gibt auch viele wunderbare Jobs, die sich für für alleinerziehende Frauen eignen: Web-Designerin, Informatikerin, Unternehmensberaterin, Coach oder einfach eine Kindertagesstädte aufmachen. Das alles geht neben dem Studium, zahllose Frauen und Männer schaffen beides. Es ist hart ohne große Portion Disziplin, aber definitv machbar.
Das Leben ist kein Wunschkonzert, erst recht nicht wenn man es auf Mühen anderer aufbaut.
“Dein Studium abbrechen um irgendeinen schlechter bezahlten Job anzunehmen?” Ja, warum denn nicht. Wieso sollte denn jemand anderes dafür aufkommen? Entweder du bist in Not oder nicht. Diese Frage ist doch sehr bequem und stinkt gerade vor Egoismus. Das ist genau der Grund weshalb die Bürokratie bei diesem Thema so hartnäckig und erniedrigend sein muss: Umverteilung muss eine Ausnahme bleiben, zu viele Bezieher sehen es als Grundrecht an, statt dankbar zu sein.
Oft begreift man das alles erst wenn man selbst fast sechzig Prozent seines Einkommens abführen muss und seine Kinder mit “eigenen Händen” durchgebracht hat. Wie heisst es so schön: “Wer mit 20 nicht links ist, hat kein Herz, und wer mit 40 nicht konservativ ist, keinen Verstand”.
(das ist kein persönlicher Angriff, sondern nur ein Aufruf zu mehr Realismus und Pragmatismus statt immer “nach oben” zu betteln)
Igor, ich habe prima Nachrichten für Dich: Porsche hat jetzt ein neues Modell entwickelt, das klimaneutral verbrennt. Ich meine nur, bei Deiner Argumentation mutmaße ich, Du hälst die Überlegungen von Maria für eine Position in einer Neiddebatte, gegen die Du dich aus Verteilungsgründen und wohl auch aus Angst vor Statusverlust wendest. Und äußerst dabei Ansichten, die tief in Marias Versuch hineingreifen, ein guten Leben zu führen und ein ganzer Mensch zu sein. Dabei ist deine eigene Argumentation so mit Stereotypen angefüllt, vermutlich aus einer seriösen Zeitung entnommen, dass man heulen möchte. Du offenbarst mit dem was du sagst genau dass Problem das wir hier und heute haben: Völlige Unkenntnis der ökonomischen Verhältnisse, in denen, um nur die wichtigste Kennzahl zu nennen, 10 Prozent der deutschen Bürger über 60 %der Einkommen und Vermögenswerte verfügen. Diese ungleiche Verteilung hat zur Folge, dass es viele Menschen, Familien, wie auch Alleinstehende im Land gibt, die von ihrer Arbeit einfach nicht leben können, oft nicht mal dann, wenn beide einem Job nachgehen. Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus. Es gibt genug Arbeit und gibt genug Geld, es ist eine Frage der Verteilung. Und: wer mir und meinen Kindern die Möglichkeit nimmt mich im umfassenden Sinne als Mensch zu entwicklen, weil er mich mit ständig neuen Forderungen überzieht, der ist nicht mein politischer Gegner, der ist mein Feind. Du brauchst nicht zu Antworten Igor, ich werde nicht mit Dir diskutieren. Wäre aber besser, wir treffen uns nicht persönlich.
Lieber buca_t, vielen Dank für deine weisen Worte.
Igor, ich werde es meinem Vorredner gleich tun und nicht weiter diskutieren.. du würdest es vermutlich sowieso nicht verstehen (wollen).
Man soll einem Menschen ja nichts Schlechtes wünschen, aber dir würde ich schon mal mindestens eine Woche in den Schuhen der, von dir sogenannten, Bettler wünschen, die natürlich alle selber an ihrer Miesere Schuld sind.
Hi Ihr alle,
ich persönlich finde es gut, dass versucht wird das Geld nicht einfach zu überweisen, sondern einen Weg zu finden, dass es die richtigen (Kinder) erreicht. Z.B ein Sportverein kostet mtl. 10,- habe ich 3 Kinder kann ich alle dort hinschicken.
Auch könntet ihr mal (anstatt Theorie zu Predigen) in Eurer Umgebung schauen ob es KINDER gibt die vielleicht durch eure Hilfe ( z.B. den Antrag ausfüllen, für die Eltern die das nicht können (wieso auch immer) unterschreiben lassen und dann mit dem Kind seinen Sportverein zusammen Beantragen.
Ebenso könnnen die KINDER jetzt Nachhilfe bekommen wenn die Schule das für wichtig hält, die Schulen wissen Teilweise noch nicht wie das geht aber auch da kann man ja initiative ergreifen damit alle die Kinder endlich auch Ihre Chance bekommen, den gute Noten steigern das Selbstbewustsein und spornen an mehr zu wollen.
Da wo ich lebe gibt es leider Gottes einige Familien die aufgegeben haben und nicht die Kraft haben da rauszukommen aber die Kinder haben echt noch Hoffnungen und wenn sie kleine Hilfestellungen bekommen wie das sie ohne sich zu schämen in den Fußballverein gehen können, da der Beitrag regelmäßig bezahlt wird und nicht dauernd gefragt wird wann zahlen deine Eltern endlich. Dann denke ich persönlich das es ein guter Versuch ist.(von den Theoretikern)
@ Lisa
Deine Überlegungen sind gut, denke ich. In der Tat ist das, was Du forderst (von den Theoretikern) das was ich seit Jahren mache. Als Beruf. Wenn Du die Versuche der letzten siehst, die Abgehängten dieser Gesellschaft irgendwie noch im Boot zu halten (siehe Bildungspaket) läuft es immer darauf hinaus, dass einerseits die Lage dieser Hunderttausenden (allein hunderttausende Kinder) als individuelle Versäumnisse darzustellen und die Lösung nur im Geld zu suchen. Die Rede ist nicht davon, dass es sich um strukturelle Probleme handelt. Und selbst das würde mir nicht reichen. Meine Frage ist, was für Maßstäbe werden in unserer Zeit angelegt, dass es dazu kommt, dass wir Kindern und Alten den Respekt schuldig bleiben, der ihnen zukommen müsste. Den Alten für ihre Leistungen, die unsere Form des Lebens erst ermöglichen und den Kinder, weil wir doch versuchen sollten, ihnen die Möglichkeiten an die Hand zu geben, das besser zu machen, was wir selber nicht vollbracht haben. Dazu brauchen wir eine Bildungsumgebung, die nicht so tut, als wäre sie im Besitz von Erkenntnis, sondern eine, die es sich einzig zum Ziel macht, die Möglichkeiten Erkenntnis zu gewinnen, zu fördern. Das würde dann zum Beispiel münden in einer beispiellosen Aufstockung des Bildungsetats, um in den Schulen ein Betreuungsverhältnis von 7 – 10 Kindern pro Lernbegleiter herbei zu führen. Diese, die Lernbegleiter müssten in ganz anderer Weise ausgebildet werden, sie müssten reihenweise vorher auf die Couch und sie müssten am Ende von der Gesellschaft sehr viel besser honoriert werden, um dem Stellenrang Ausdruck zu verleihen, die sie für das Hegen und die Pflege der kommenden Generation haben. Dies täten wir, wenn wir uns selbst als Mitglieder einer menschlichen Kultur ernster nehmen würden und versuchten, unsere eigenen Anlagen und auch die der kommenden Generationen im umfassendsten Sinne und bestmöglich zu fördern. Das ganze Finanzielle käme dann sehr viel weiter unten, wo es hin gehört.
Bildungspaket in der Praxis hängt total von der Mentalität der jeweiligen ARGEN ab. Ich organisiere grad ein Ferienlager für die Falken. Teilnehmende kommen zu 50 % aus materiell armen Familien. Wir haben – trotz Würgreizen – auf das Teilhabepaket hingewiesen. ARGE Güstrow – ein Anruf von der ARGE, Erfragung der Kontennummer, Überweisung von 120 € je beantragendem Kind ohne Probleme…
ARGE Rostock – keine Reaktion, ähnliche Anträge liegen schon seit 3 Monaten auf Eis.
Und – mit den 120 € je Kind werden zwar 12 Tage supernonformelle Bildungsprozesse bezahlt – aba wat is mit dem Rest des Jahres? Irgendwie is das nich genug – und in Zeiten von Afghanistankrieg und Bankenrettung braucht niemand erzählen, dass Geld nicht vorhanden wäre…
nachdenklicher Stephan