Diaspora – Ein erster Eindruck

Es gibt hoch geschätzte 500 Millionen Profile auf Facebook – damit ist Facebook so etwas wie das Google unter den Social Netzwerken geworden und man könnte meinen damit brauch man über ein neues Social Netzwerk nicht mehr nachdenken. Nun gibt es aber Leute die zwar Google benutzen aber Facebook in seiner Gesamtheit ablehnen (mich zum Bleistift). Das kommt vor allem durch einige grundsätzliche Probleme die auch anderen Sozialen Netzwerken zum Verhängnis geworden sind.

Zum einen währe da der Single Point of Failure – eine Strategie die so ganz und gar nicht dem Internet an sich entspricht – nämlich alles Zentral zu verwalten – zumal die Menschen die dies verwalten alles andere als sympathische Zeitgenossen sind die an die Macht über die Daten mit reichlich zweifelhaften Methoden gekommen sind.

Hinzu kommt der Kapitalertragszwang – der natürlich teilweise durch die Zentralität bedingt ist. So eine Serverfarm die ähnliche Mengen an Strom frisst wie eine Kleinstadt will unterhalten werden. Da auch das Prinzip Geld verdienen eigentlich nicht zu den Urgenen des Internet gehört wird hier jeder Versuch einer Kapitalisierung der Daten und Impressions zwangsmäßig als Störfaktor dienen. Einen richtig guten Business Plan hat Facebook auch bis heute nicht. Werbung nervt und ist auch nicht wirklich effektiv. Die Idee einen Bezahlmodus einzuführen wurde bereits zwei mal wieder verworfen weil sich im Vorfeld doch erhebliche Benutzerproteste bildeten.

Der dritte Punkt ist der des Vertrauens. Vielen Menschen ist einfach unwohl dabei ihre Daten einer Firma in die Hand zu geben – egal welcher. Zumal es sich um Daten handelt die doch schon einigen das Leben ruinieren könnten. Facebook hat sich mit seiner Privacy Einstellungs Verwirrung vor allem Feinde gemacht – auf jeden Fall wenig Freunde. Man kann verstehen das Facebook eher daran interessiert ist das Leute ihre Daten nach aussen öffnen als nach innen verschliessen weil verschlossene Daten Kosten Geld bringen aber der Firma Facebook reichlich wenig – offene Daten geben Page Impressions also Werbeeinnahmen – ausserdem kann man die über APIs weiterverkaufen und somit einen zweiten Einkommensstrom erzeugen. Aber damit nicht genug – Facebooks Code ist geschlossen – nur eine Handvoll Programmierer wissen wie es unter der Haube aussieht – das ist keine so gute Idee wenn man mit sensiblen Daten umgeht. Security By Obscurity – bis jemand eine größere Sicherheitslücke findet und dann an alle Daten kommt ist nur eine Frage der Zeit.

Glücklicherweise fand sich da eine Gruppe an Studenten die diese Probleme sahen und sich dachten sie können es besser – so ganz im Sinne des Internet “Lets hack it together” – das Projekt Diaspora entstand.
Offen solle der Code sein – jeder kann sich einen Server installieren – die Server vernetzen sich untereinander automatisch ala PeerToPeer Technik – und behält dadurch die Kontrolle über seine Daten und ja die Sicherheitsfeatures sollten einfach verständlich aber gleichzeitig detailierter sein alles so ganz kostenlos – vielleicht könne man ein zwei Dollar spenden um dem Projekt zu helfen – es wurden 280.000 Dollar von mehreren zehntausend Personen. Die Jungs bedankten sich und machten einen Zeitplan – das erste grosse Datum war gestern. Der Release einer Prepreprealpha Developer Version sollte eine grobe Richtung vorgeben in die es gehen soll.

Man hofft das jetzt massenweise gute Programmierer auf den Zug aufspringen und den Jungs helfen daraus was funktionierendes zu gestalten.

Nun bin ich kein Programmierer gehöre aber zu der Gruppe von Menschen die Facebook sehr kritisch sehen jedoch generell soziale Netzwerke für gut befinden – ich wollte den Jungs auch Geld spenden – leider funktionierte das nur USA lokalisierte Menschen. Trotzdem sehnte ich mir das erste Release von Diaspora sehr herbei – die Hoffnung stirbt zuletzt doch vielleicht mal wieder eine Bahnbrechende entwicklung im Netz zu sehen die nicht nur auf Profitmaximierung aus ist.

Gleich vorneweg – viel zu sehen gibt es noch nicht und generell bin ich wie viele andere auch ein wenig enttäuscht. Nicht weil es eine Alpha version ist die sehr unstabil läuft – das wurde deutlich gesagt – aber weil es einige schwierige Hürden aufgebaut hat die mich an der Zukunft ein wenig zweifeln lassen. Zum einen dachte ich “hey schnapp ich mir den Code und installiere den mal ganz schnell auf einen meinen Testserver”. Ich meine das war die bei mir sofort zündende Grundidee bei Diaspora – jeder kann sich einen eigenen Server aufsetzen der dann automatisch mit allen anderen Diaspora Servern in der Welt ein gigantisches Soziales Netzwerk aufbaut aber die Lasten verteilt auf alle individuell gehosteten Server – die Daten bleiben hier im Ort sozusagen und man hat volle Kontrolle darüber was mit ihnen passiert (bzw. kennt den der sie hosted persönlich).

Nun wurde Diaspora mit Ruby on Rails geschrieben zusätzlich braucht es eine Mongo Database – zwei dinge die jetzt nicht jeder installiert hat – oder ums spezifizieren – so gut wie niemand installiert hat. Das sind schonmal zwei Hürden die so gleich vorneweg mal 80% aller Hostingoptionen ausschliessen. Man braucht dafür dann schon ein Hostingprovider der einen Kram installieren lässt was bei den meisten Shared Massen Hostern(tm) nicht funktioniert – oder man hat nen eigenen Server irgendwo stehen. Ich habe zwar eine Option das alles zu installieren – aber ehrlich gesagt weder die Zeit noch Lust dazu – ich denke so wird es vielen anderen auch gehen. Eine Einclick-Installation welche auf den meisten Servern dieser Welt funktioniert ist hier für Diaspora von höchstem Interesse könnte man denken zumal sie zu 500 Millionen Usern aufschliessen müssen.

(das Interface so wie ich es auf Openspora.com vorgefunden habe)

Aber es gibt ein paar funktionierende Test Installationen die auch offen für alle sind – so zum ausprobieren. Openspora.com ist eine Solche. Man trägt sich ein und kann sofort lossozialisieren. Was einem präsentiert wird ist gleich zu Anfang ein recht sauberes Interface. Man kann auch sofort eine Statusmeldung abgeben. Das ging auch gleich auf anhieb. Dadurch bekam ich kurz den Eindruck hey das funktioniert ja super. weiteres durchklicken brachte aber die ganze Unfertigkeit zum Vorschein – aber dazu später – erstmal ein paar positive Funktionen.
Das gesammte Interface ist drag and drop was ein gutes Gefühl ist. Ein grosses Highlight sind “Aspects“. Während man in Facebook nur den Aspekt “Freunde” hat (soweit ich weiss ich bin ja da nicht) hat man in Diaspora zwei default Aspekte “Family” und “Work” und man kann beliebig viele dazu bauen. Zum Bleistift “Freunde” “Leute ausm Netz” “Sportgruppe” oder was auch immer einem einfallen mag und dann kann man per drag and drop alle Menschen oder Bots oder so mit denen man sich vernetzt hat mit diesen Aspekten in Verbindung bringen. Der Clou hier ist das man für jeden Aspekt einen Tab bekommt und sich unterhalb dieses dann bewegt – ist man im Aspekt “Sportgruppe” zum Beispiel und baut ein Photoalbum können dieses dann auch nur Leute aus der Sportgruppe sehen – das gleiche gilt für Statusmeldungen (da kann man dann seiner Familie mitteilen wie scheisse der Chef ist ohne das der Chef das mitlesen kann und ohne das man den Chef einen “Friend Request” verweigern muss). Aspekte machen alle anderen Sicherheitseinstellungen überflüssig – man weiss genau wer was lesen kann und das ist schon ein ziemliches Killer Feature.

(das Aspekte Management – simple is better)

Mann kann natürlich auch Photoalben bauen oder Statusmeldungen absetzen die alle lesen können – das ist dann der Aspekt “all”.

Und viel mehr gibt es bis jetzt nicht zu sehen. Diese Funktionen sind bei Openspora.com dann auch eher sehr rudimentär implementiert. Zwar konnte ich “Freunde” adden aber danach konnte ich mich selbst auch als Freund adden – unendlich oft – was gut ist wenn man eine gespaltene Persönlichkeit hat aber ansonsten eher ein fragwürdiges Feature. Das mit dem Photoupload klappte auch noch nicht so recht. Auch schien mir das ganze eher sehr sehr langsam zu sein. Alles in allem nicht mehr als ein “ja wir machen wirklich was” release als irgendwas benutzbares.

(meine neuen Aspekte ;)

Funktionen das man sein Profil mitnehmen kann auf andere Server, andere Medien hosten etc soll es dann noch bald geben – auch eine facebook integration – die hätte ich mir so im Moment und am Anfang definitiv geklemmt aber es gibt sicher einen Grund warum sie das machen.

Trotz allem hoffe ich das sich aus dem Projekt etwas entwickelt was Facebook die Stirn bieten kann und sollten die groben Bugs behoben sein werde ich sicher auch eine Instanz aufsetzen – irgendwann im nächsten Jahr dann.

Das Projekt:

joindiaspora.com

Diaspora Instanzen:

openspora.com

diasporahosting.eu

Andere Stimmen zu Diaspora:

Diaspora, or: How to Kill Your “Facebook Killer” Open Source Project Before It Even Launches

Diaspora Releases Source Code, Developers Dissect It

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Kommentare
  1. die EinKlick Installation ist wunderbarer Keim für ein Hardware-Startup = HomeWebserver mit #Diaspora installiert //

  2. Nic

    Hallo fALk,

    zunächst einmal bedanke ich mich für Deinen wirklich ausführlichen Bericht zu Diaspora. Ich selbst verfolge das schon seit geraumer Zeit und kann daher Deine Bedenken, bzw. Einwände nachempfinden.

    Allerdings sind es nicht nur die Jungs von Diaspora die sich zum Thema Gedanken gemacht haben, denn auch einige andere haben das getan. Vor wenigen Tagen startete z.B. eine erste Beta-Version eines ernst zu nehmenden Konkurrenten: Fluff (fluffland.de). Dieses Portal soll deutlich mehr Augenmerk auf den Datenschutz richten und in Zukunft alle gängigen Features eines Social Networks aufweisen. Der Code soll – soweit ich informiert bin – dann auch öffentlich gemacht werden um weitere Entwicklung zuzulassen. Wichtig ist auch zu erwähnen, dass der Code von Grund auf selbst geschrieben wurde.

    Nun, das Design ist noch eher nützlich als hübsch aber es lässt sich schon erkennen wohin die Reise gehen soll.

    ich möchte hier nicht dafür werben, sondern nur einen Hinweis geben, dies als potenziellen Konkurrenten nicht außer acht zu lassen und vielleicht auch weiterhin zu beobachten. Ich jedenfalls bleibe dran. Vielleicht können wir unsere Erfahrungen weiterhin austauschen und somit einen guten Vergleich beider Plattformen zusammenstellen.

    Viele Grüße

    Nic B.

  3. Achim Hepp

    Die Aussage “… ich wollte den Jungs auch Geld spenden – leider funktionierte das nur USA lokalisierte Menschen.” stimmt so nicht. Ich konnte problemlos aus Deutschland für dieses, wie auch für andere Projekte “spenden”.

  4. Vielen Dank für die Kommentare – freut mich das der Artikel so viel Resonanz erzeugt :)

    @mike: wir hatten ja kurz über twitter geredet. Fakt ist das die Jungens von Diaspora auf 500 millionen nutzer aufschliessen müssen. Wenn der einstieg für normale User auch nur einen Euro kostet werden sie dieses Ziel nie erreichen – ein gutes Beispiel dafür ist FON. Solange sie ihre Router für umme rausgehauen haben hatten sie exponentielles Wachstum – sobald sie dafür Geld verlangt haben (wenn auch nur die Versandkosten am Anfang!) stagnierte das Wachstum extrem – das es sie noch gibt kann man ihren sehr geduldigen Geldgebern verdanken – von einer flächendeckenden fon Abdeckung ist auch 5 Jahre nach Einführung leider nix zu sehen.

    @nic: fluffland.de war mir bis jetzt kein Begriff – aber ich hab mal reingeschaut. Was mich jedoch sogleich “stört” ist der fehlende Gedanke an dezentralität – egal wie sicher sie so ein system machen wollen – kann ich meine eigenen Daten nicht selber hosten ist es doch wieder nur ein weiteres soziales Netzwerk.

    @achim hepp: Ja kannst du mir jetzt glauben oder nicht – am anfang ging das definitiv nicht – hab es 3 mal probiert – gab auf Kickstarter dann auch die Message das man an einer Lösung arbeite das auch internationale Menschen Geld geben könen – war dann noch 2x drauf und es ging immer noch nicht. Ich denke irgendwann haben sie es hinbekommen, da sie darüber aber nicht gebloggt haben hab ich das dann wohl aus den Augen verloren.

  5. Diaspora’s Versprechen zum Thema Sicherheit und Privatsphäre tragen nahezu kabarettistische Züge.

    Egal ob es um die haarsträubenden Fehler im Code sind (die sehr klar auf eine MISERABLE Architektur hinweisen und vor allem eine absolut laienhafte Vorstellung von “Sicherheit” aufzeigen) oder die mit “Open Source” Code betriebenen Server, der gerade für den Nutzer alles andere als einsehbar bzw prüfbar ist – und womöglich problemlos für Data-Harvesting modifiziert werden kann.

    Overhype um nix.

  6. affe

    “Nun gibt es aber Leute die zwar Google benutzen aber Facebook in seiner Gesamtheit ablehnen (mich zum Bleistift).”

    und unten drunter ist der “gefällt mir” – Button :-D

  7. @affe: bin hier nur Gastschreiberling mit mir würde es die (für FB kostenlose) Facebookwerbung nicht geben ;)

  8. Hun CL

    blöd ist ja auch beim testen, dass man ohne freunde irgendwie doof da steht.
    würde mich also über “freunde” freuen: hunna@openspora.com

    dabei hatte ich einen interessanten gedanken: in den meisten netzwerken und communities will man das “invite a friend” so publik wie möglich machen, d.h.
    1) send invitation mit einer liste von mailadressen
    2) api-login bei google, yahoo etc
    irgendwie passen solche sachen gefühlsmässig aber nicht zu diaspora. was denkt ihr?
    wird es das geben? doch schon, oder? es wäre ja der server-betreiber, dem ich vertrauen müsste und nicht diaspora. theoretisch zumindest.

  9. Kandy

    Es soll ja nicht die einzige kommende Soziale netzwerk sein.Angeblich soll eine neue Netzwerk aus Deutschland kommen.Wird grad richtig werbung gemacht und diskutiert in facebook.Angeblich kann man mit neun Personen gleichzeitig videochat führen und bittet email adresse an mit deren endung.Kolloki heisst es.
    Achso kommt am 1.1.2011 online . Heisst Kolloki-share your mind.Und hat schon eine riesen anhänger…

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